Baloon Dog Magenta, 2015
Feinporzellan
Masse: 26.70 x 26.70 x 12.70
Jeff Koons (*21. Januar 1955 in York, Pennsylvania) zählt zu den bekanntesten, einflussreichsten und zugleich umstrittensten zeitgenössischen Künstlern der Welt. Er studierte am Maryland Institute College of Art in Baltimore sowie an der School of the Art Institute of Chicago. Nach seinem Abschluss 1976 zog er nach New York, wo er zunächst am Museum of Modern Art arbeitete und – um sein Schaffen zu finanzieren – als Börsenmakler an der Wall Street tätig war. Beide Welten, die der Hochkultur und die des Finanzkapitalismus, sollten sein Werk dauerhaft prägen.
Koons' künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Hochkunst und Massenkultur, zwischen Duchamps Readymade-Tradition und Warhols Pop Art. Er versteht sich nicht als ausführender Handwerker seiner eigenen Werke, sondern als Art Director: Fabrikähnliche Studios mit bis zu 100 Assistenten setzen seine Konzepte in technisch aufwändige Skulpturen und Gemälde um. Mit seiner Absicht, „mit den Massen zu kommunizieren", schafft er Objekte, die jedem vertraut sind – Spielzeug, Ballontiere, Schokoladenhäschen, aufblasbare Plastiken – und überführt sie durch Material und Maßstab in etwas radikal Fremdes. Seine wichtigsten Werkserien sind „The New" (Staubsauger in Vitrinen), „Equilibrium" (schwebende Basketbälle), „Banality" (Porzellanfiguren) und „Celebration" (Ballonfiguren und Gemälde).
Der „Balloon Dog" (1994–2000) ist das ikonischste Werk aus der Serie „Celebration" und eines der bekanntesten Kunstwerke der Gegenwart. Fünf Exemplare existieren, in den Farben Blau, Magenta, Orange, Rot und Gelb – jedes ein Monument von rund drei Metern Höhe aus hochglanzpoliertem Chromstahl. Die Form ist vertraut: das aus Luftballons gedrehte Hündchen, das Straßenclowns und Zauberer bei Kindergeburtstagsfeiern schufen. Koons überführt das Flüchtigste und Vergänglichste – einen Luftballon – in das Dauerhafteste und Härteste: schweren Chromstahl, der das Licht der Umgebung und den Betrachtenden selbst spiegelt.
Koons selbst nannte den Balloon Dog ein „Trojanisches Pferd" – ein Werk, das durch seine scheinbare Einfachheit und Zugänglichkeit den Blick öffnet auf tiefere Fragen: über Kindheit und Vergänglichkeit, über Optimismus und Tod. „Ballontiere sind wie wir", sagte er. „Wir sind Ballons. Du atmest ein – das ist Optimismus. Du atmest aus – das ist eine Art Sinnbild des Todes." Der materielle Illusionismus ist fundamental: Die Skulptur wirkt weich und schwerelos, ist aber hart und tonnenschwer. Sie reflektiert den Betrachter und den Raum – und stellt damit die Frage, ob das Kunstwerk oder wir selbst der eigentliche Inhalt sind. „Balloon Dog (Orange)" erzielte 2013 bei Christie's rund 58 Millionen US-Dollar und war damit zeitweise das teuerste je bei einer Auktion verkaufte Werk eines lebenden Künstlers.