Für Ihn, 2018
Acryl auf Seidenpapier
Masse: 52.80 x 52.80 x 4.50 cm
Frieda Martha ist das Künstlerpseudonym von Helga Wilmsen (*1941 in Berlin - 2024). Der Name vereint die Vornamen ihrer beiden Mütter – eine bewusste Entscheidung, die auf die Verschmelzung zweier Identitäten verweist: die der Galeristin und die der Künstlerin. Nach einer Phase als Büroangestellte studierte sie von 1963 bis 1969 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie bei Raimer Jochims prägende Impulse empfing. Dessen Überzeugung, dass das Leben selbst die Substanz der Kunst sei, blieb ihr lebenslanger Leitsatz.
Nach Jahren als Farbgestalterin beim Münchner Architekten Alexander von Branca und als Inneneinrichterin zog Frieda Martha um die Jahrtausendwende nach Maria-Thann im Allgäu, wo sie ihr freies Schaffen intensivierte: Malerei, Collagen, Objekte und gesellschaftskritische Plakate. 2010 eröffnete sie dort eine Wohnungsgalerie, die 2015 nach Rheineck am Bodensee umzog. Ihr künstlerisches Interesse galt stets dem Gesamtkunstwerk – der Idee, dass Kunst und Lebensraum untrennbar verbunden sind.
Frieda Marthas heutiges Schaffen konzentriert sich auf Arbeiten aus bemaltem Seidenpapier: Sie schneidet es in feine Stücke und ordnet diese zu zarten, aber kraftvollen Reliefs. Die monochromen Farbübergänge – von innen heraus leuchtend, nie poppig, von stiller Energie – strömen in den umgebenden Raum. Reliefhafte Licht-Schatten-Wirkungen entstehen durch gestaffelte Halbkreise und Leuchtpigmente. Ihre Papierarbeiten sind Einladungen zum Sehen lernen: zum Wahrnehmen von Übergängen, Strukturverläufen, Farbtemperaturen und materieller Sinnlichkeit.