Kolosseum, 1973
Farbseriegraphie
Masse: 60.00 x 79.00 cm
Anton Lehmden (1929–2018), Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, widmete sich in seinem Werk der Architektur der Antike - so auch dem Motiv des Kolosseums in zahlreichen Radierungen und Farblithografien. Besonders bekannt ist seine Radierung “Kolosseum”, die auf ca. 1973 datiert ist.
In diesem Werk gelingt Lehmden eine traumhaft-surreal anmutende Darstellung des antiken Bauwerks: Das Kolosseum erscheint überwuchert, entstellt und fragmentiert in einer postapokalyptischen Landschaft, durchzogen von bizarren, fast organischen Formen - Wolken türmen sich wie muschelförmige Architekturen, und der Himmel wirkt unheilvoll in düsteren, bläulichen Tönen. Typisch für Lehmden wird die Ruine zum Sinnbild einer kraftvollen, zugleich melancholischen Weltvision, in der Monumentales und Vergänglichkeit ineinanderfließen.
Dabei reflektiert das Kolosseum-Motiv seine Faszination für die mythologischen Monumente Roms ebenso wie die gestalterische Verarbeitung persönlicher Kriegserlebnisse und Naturkatastrophen. Lehmden transformiert die architektonische Struktur in eine expressive, symbolbeladene Landschaft, in der das antike Erbe poetisch aufgeladen den Betrachter unmittelbar emotional anspricht - typisch für seinen visionär-reflektierten Phantastischen Realismus.