Lapis und Blauschwarz auf Gold in der Kälte gerissen, 2020
Cryo-Painting, Oel-Inversionen mit Metallen,
Leinen gespannt
Masse: 40.00 x 40.00 cm
Ty Waltinger (1962–2022) war ein österreichischer Maler, der sich intensiv mit der poetischen Kraft alter Naturpigmente und prozesshafter Farbtechniken auseinandersetzte. Seine Werke entstanden ausschließlich im Freien - unter Einwirkung natürlicher Elemente wie Regen, Hagel, Kälte oder Hitze. Dabei nutzte er aufwendig vorbereitete Pigmentmischungen aus historischen Mineralfarbstoffen, die er teils über mehrere Monate in bis zu 300 Schichten auf Leinwand auftrug.
Waltinger entwickelte Werkreihen wie „Hydro-Paintings“ (Malerei im Regen), „Cryo-Paintings“ (Pigmentbilder bei Minusgraden) sowie die „Zeit‑Fresken“ - großformatige Bilder, die er al fresco über Jahre mit seltenen Pigmentessenzen bearbeitete. Anschließend wurde Material Schicht für Schicht mit Skalpellen freigelegt, um den Zeitverlauf sichtbar zu machen: ein visuelles Archiv der natürlichen Prozesse, die zugleich kreativ gestaltet sind.
Waltingers Malerei kann als Verbindung von Wissenschaft, Handwerk und Natur betrachtet werden - eine Malerei, die Zeit sichtbar macht. Dabei verweist er auf die Werkmethoden alter Meister und deren Umgang mit Licht, Farben und Bindemittelrezepturen.
In Ty Waltingers Bildprojekten verschmilzt Materialität, Naturvorgang und Kunst: Jede Oberfläche trägt die Spuren des Entstehens - und lässt den Betrachter eintauchen in eine Welt, in der Farbe, Zeit und Elementarkräfte zu einer metaphysischen Erfahrung werden.