M-Würfel, 1989/2000
Chromnickelstahl, massiv, poliert Ed. 1/5
Masse: 34.00 x 34.00 x 34.00 cm
Georg Malin (*8. Februar 1926 in Mauren) ist Bildhauer, Historiker und Politiker. Eine Verbindung, die sein Werk prägt. Nach dem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie in Zürich und Fribourg (Dr. phil. 1952) und der Bildhauerausbildung bei Alfons Magg arbeitet er seit 1955 freischaffend. Als Mitbegründer und langjähriger Konservator der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung prägte er zugleich die institutionelle Kunstlandschaft des Landes. Im Februar 2026 beging er seinen 100. Geburtstag.
Ausgangspunkt der Buchstabenwürfel war eine Auftragsarbeit: 1988 setzte Malin einen massiven Bronzewürfel in ein wassergefülltes Rundbecken im Hof des Klosters Disentis, dessen Seitenflächen von vertieften und erhabenen Diagonalen zum Andreaskreuz, dem Hauszeichen des Klosters, durchlaufen werden. Über der intensiven Beschäftigung mit dem Würfel, jenem vollkommensten der platonischen Körper, erkannte er, dass sich zahlreiche Grossbuchstaben in dessen quadratische Seitenflächen einschreiben lassen. Ab 1986/87 entstand daraus eine Serie massiver Buchstabenwürfel in Bronze, die das Alphabet umfassen sollte.
Der vorliegende M-Würfel gehört der zweiten, entscheidenden Werkstufe an. Malin verliess den geschlossenen Kubus, weil der Begriff „Buchstabe“ selbst Stäbe und Balken enthält, und bildete das Zeichen vollplastisch durch. Die frühesten dieser durchlichteten Kuben bestehen aus massivem, poliertem Chromnickelstahl und folgen seit Anfang der 1990er Jahre dem Grundmass 34 × 34 × 34 cm.
Damit verändert sich die Wahrnehmung grundlegend. Das ursprünglich zweidimensionale Schriftzeichen wird in den Raum versetzt und ist nicht mehr allein als repräsentierendes Symbol lesbar, sondern als körperlich präsente abstrakte Gestalt. Der polierte Stahl nimmt die Umgebung auf; je nach Standpunkt kippt das M zwischen Lesbarkeit und reiner Struktur. Malin selbst sah in den Würfeln Objekte der Meditation – vergeistigte Materie, in der Zahl, Kubus und Buchstabe als drei Bedeutungsträger zusammenfinden.