Zotow - Mauren
Zotow - Mauren
Prof. Eugen Zotow

Mauren, k.A.

Privat MOS
Privat MOS

Tuschezeichnung

Masse: 36.30 x 48.30 x 3.00 cm

Prof. Eugen Zotow (1881–1953) ist eine der faszinierendsten und tragischsten Künstlerpersönlichkeiten der liechtensteinischen Kunstgeschichte – ein russischer Emigrant, dessen Leben eine Odyssee durch die Erschütterungen des 20. Jahrhunderts beschreibt. Geboren am 30. September 1881 in Charkiw (damals russisches Zarenreich) als Ivan Grigorjewitsch Mjassojedow, entstammte er einer Künstlerfamilie: Sein Vater Grigori Grigorewitsch Mjassojedow (1834–1911) war ein bedeutender russischer Realist und Mitgründer der Peredwischniki, der Gesellschaft der Wanderausstellungen. Von 1896 bis 1901 studierte er an der Moskauer Schule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst; 1907 bis 1909 an der Kaiserlichen Akademie der Künste in St. Petersburg, wo ihm der akademische Grad eines Künstlers verliehen wurde. Stipendien ermöglichten ihm Studienreisen nach Rom, München, Paris und London.

Die Russische Revolution und der Bürgerkrieg zerstörten seine vielversprechende Karriere. 1919 floh er mit seiner Familie über die Krim, Sewastopol und Triest nach Deutschland; ab 1921 lebte er 13 Jahre in Berlin. Es folgten weitere Exilstationen, bis es ihm 1938 gelang, unter dem Pseudonym Eugen Zotow und mit tschechischem Pass in Vaduz Fuss zu fassen. Den Nachnamen hatte er von seinem Taufpaten übernommen, den Vornamen Eugen – nach der Bedeutung «Wohlgeborener» – selbst gewählt. Die 15 Jahre in Liechtenstein (1938–1953) waren produktiv, aber von Not geprägt: Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit Porträts, Blumenstillleben, Landschaften und grafischen Arbeiten. 1940 und 1952 zeigte er Einzelausstellungen in Vaduz. Zwölf liechtensteinische Briefmarken tragen seine Handschrift; deren Originalentwürfe befinden sich heute grösstenteils im Liechtensteinischen Landesmuseum. 1953, wenige Monate nach seiner letzten Ausstellung, wanderte er nach Buenos Aires aus, wo er am 27. Juli 1953 starb.

Zotows Werk ist von grosser Bandbreite: Er war Maler, Zeichner, Grafiker, Fotograf, Bühnenbildner, Kostümentwerfer, Choreograf und Schauspieler. Seiner Zeit entstammend bekannte er sich zur Tradition – die Tendenz zum Abstrakten lehnte er ab. Im Kern war er, wie es sein Biograf formuliert, «ein Traditionalist». Neben repräsentativen Auftragsarbeiten und der liechtensteinischen Alltagsmalerei entstanden politische Malereien und Zeichnungen, die seine Schreckenserlebnisse aus Krieg und Revolution verarbeiteten. 1992 gründete die Liechtensteinische Kunstgesellschaft die «Prof. Eugen Zotow – Ivan Miassojedoff-Stiftung» in Vaduz, die sich der Erforschung und Pflege seines Nachlasses widmet. Zu seinem 140. Geburtstag ehrten Liechtenstein und die Ukraine 2021 gemeinsam den Künstler mit einer Briefmarken-Gemeinschaftsausgabe – ein posthumes Zeugnis seiner Bedeutung als Bindeglied zwischen zwei Kulturen und zwei Epochen.