Mittagsspitz, 2024
CV 24 - 004 Oel auf Leinwand
Masse: 90.00 x 90.00 cm
Valentin Roschacher (*23. März 1960 in Zürich) ist eine der ungewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten der Schweizer Gegenwartskunst – eine Figur, deren Lebensweg eine radikale Zweiteilung beschreibt: die erste Hälfte als hochrangiger Jurist und Staatsdiener, die zweite als freier Künstler und Maler von Berglandschaften. Aufgewachsen in Herrliberg am Zürichsee, studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Zürich (Lizenziat 1987, Doktorat 1991) und machte rasch Karriere in der Strafverfolgung: Bezirksanwalt in Zürich (1992–1995), Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung des internationalen Drogenhandels, und schliesslich – von 2000 bis 2006 – Bundesanwalt der Schweiz, das höchste Strafverfolgungsamt des Landes.
Sein Rücktritt Ende 2006, der sich in einem turbulenten politischen Kontext vollzog, markierte eine Zäsur: Roschacher machte sein langjähriges Hobby zur Profession. Die Malerei war kein spontaner Neuanfang, sondern eine stille Leidenschaft, die er neben dem Amt gepflegt hatte. Nun widmete er sich ihr mit dem gleichen Anspruch auf Präzision und Konsequenz, den er aus dem juristischen Metier mitbrachte. Bereits im November 2007 stellte er seine Bilder erstmals öffentlich aus – in der Berner Galerie Christine Brügger. 2008 folgten Ausstellungen in Latina, Rom und Zürich; seither ist er international präsent, mit Werkpräsentationen in der Schweiz, Deutschland, Italien und darüber hinaus.
Das Zentrum von Roschachers Werk sind die Schweizer Alpen: Matterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau, Breithorn, Wetterhorn, Piz Surlej, Schwarzmönch, Silsersee – er hat sie alle gemalt, in immer neuen Lichtstimmungen und Jahreszeiten. Seine Bildwelt ist hyperrealistisch: Gletscher und Felsstrukturen, Schneeoberflächen und Lichtverläufe werden mit ausserordentlicher Präzision auf die Leinwand übertragen. Dabei verlässt er sich nicht auf Fotografie als alleinige Vorlage – Skizzen und Studien vor dem Motiv, häufig in den Berner Voralpen, im Engadin oder im Lauterbrunnental, bilden die Grundlage, die er im Atelier in Wollerau am Zürichsee in monatelanger Arbeit ausarbeitet.
Was Roschacher von anderen Bergmalern unterscheidet, ist seine kompromisslose Technik: die sogenannte „Einhaarpinseltechnik". Er kauft die feinsten handelsüblichen Pinsel und zupft alle Haare heraus, bis nur noch ein, zwei, drei oder maximal vier übrig bleiben. Mit diesen nahezu mikroskopischen Werkzeugen trägt er Farbe in hauchdünnen, doch pastosen Strichen auf die Leinwand auf – auf einem Quadratzentimeter setzt er bis zu sechs Farbtöne nebeneinander. Die Folge ist eine Farbdichte und dreidimensionale Wirkung, die mit konventionellen Pinseln nicht zu erreichen wäre. Pro Arbeitstag bemalt er kaum mehr als die Fläche eines Fünflibers – «schrecklich ineffizient», wie er selbst sagt, aber für ihn der einzig mögliche Weg, «die Dichte und Intensität des Lichtes und der Luft in den Bergen abzubilden». Ein einzelnes Werk verlangt ihm zwischen 500 und 6.500 Arbeitsstunden ab; sein bisher grösstes Gemälde, das Alpenpanorama der Jungfrauregion im Format 1,8 × 4,5 Meter, entstand zwischen 2010 und 2012 in 6.516 Stunden.