o.T., 1964
Oel auf Karton
Masse: 71.00 x 76.50 x 4.00 cm
Gotthard Graubner (13. Juni 1930 in Erlbach, Vogtland – 2013 in Neuss) zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern der Nachkriegszeit. Er studierte ab 1947 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, dann an der Dresdner Kunstakademie bei Wilhelm Rudolph – bis er wegen seines Einsatzes für den als „entartet" verfolgten Lehrer zweimal exmatrikuliert wurde. 1954 verliess er die DDR und studierte bis 1959 an der Kunstakademie Düsseldorf. Es folgten Professuren an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (1969) und ab 1976 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er nahm 1968 und 1977 an der documenta in Kassel teil, vertrat 1982 die Bundesrepublik im deutschen Pavillon der Biennale Venedig und schuf Auftragswerke für Schloss Bellevue (Amtssitz des Bundespräsidenten) sowie für die Protokoll- und Sitzungsräume des Reichstags in Berlin.
Das Zentrum von Graubners Werk ist die Farbe – nicht als Mittel zur Darstellung von etwas anderem, sondern als eigenständiger Bildgegenstand. Seit den frühen 1960er Jahren entwickelte er seine charakteristischen „Kissenbilder", die er selbst als „Farbraumkörper" bezeichnete: Er spannte die Leinwand über eine dicke Schicht synthetischer Watte und tränkte sie mit vielschichtigen Farbaufträgen und Lasuren. Die dabei entstehenden kissenartigen Bildkörper treten plastisch aus der Wand hervor und entfalten atmosphärische Farblandschaften von grosser kontemplativer Tiefe. Warm und kalt, nah und fern, offen und geschlossen – diese Spannungspaare strukturieren seine Malerei, ohne je in ein farbtheoretisches System zu erstarren. Zwischen 1968 und 1972 entstanden zudem raumgreifende „Nebelräume". Graubner lebte zuletzt auf der Museumsinsel Hombroich bei Neuss; seine Werke befinden sich in der Neuen Nationalgalerie Berlin, im Museum Folkwang Essen, im Museum für Moderne Kunst Frankfurt und in zahlreichen weiteren internationalen Sammlungen.