o.T., ca. 1970
Aquarell und Collage
Masse: 49.00 x 47.00 x 4.00 cm
Friedensreich Hundertwasser (1928 Wien – 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2), geboren als Friedrich Stowasser, zählt zu den eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Maler, Grafiker, Architekturkritiker und Umweltaktivist in einer Person. Sein druckgrafisches Werk ist mit rund 130 Blättern schmal, technisch jedoch von aussergewöhnlicher Ambition. Walter Koschatzky, ehemals Direktor der Albertina, ordnete es 1986 erstmals systematisch und führte die bis heute gebräuchlichen HWG-Nummern ein.
Die 1970er Jahre bilden das Kernjahrzehnt dieser grafischen Arbeit. Hundertwasser verband Serigrafie mit Metallfolienprägungen in Gold, Silber und Kupfer, setzte phosphoreszierende Farben und reflektierende Glasstaubauflagen ein und liess einzelne Auflagen in zahlreichen Farbvarianten drucken – die Grafik Good Morning City etwa erschien in fünfzig Varianten zu je 200 Exemplaren. Das 1971/72 bei Ars Viva in Zürich verlegte und von der Dietz Offizin in Lengmoos gedruckte Portfolio Regentag – Look at it on a rainy day markiert den technischen Höhepunkt dieser Suche nach einer Druckgrafik, die nicht reproduziert, sondern ein eigenständiges Bildereignis erzeugt.
Die vorliegende kleinformatige Arbeit ohne Titel steht exemplarisch für diese Haltung. In reduzierter Grösse verdichtet sich Hundertwassers Formvokabular: die Spirale als Sinnbild organischen Wachstums, das Fenster als Zeichen individuellen Rechts, gestaffelte Farbbahnen, die Landschaft und Architektur ineinander führen. Die von ihm als „gottlos“ verworfene gerade Linie weicht einer vegetabilen, atmenden Kontur.
Gerade das kleine Format erweist sich dabei als Stärke: Was in den grossen Blättern als dekorative Fülle erscheinen kann, wird hier zur konzentrierten Setzung.