Regentropfen auf Bütten mit 24 kt. Gold, 2017
Hydro-Painting, Pigmente unter Einfluss von Regen auf handgeschöpftem Bütten
Masse: 52.00 x 52.00 x 5.50 cm
Ty Waltinger (1962–2022) entwickelte eine einzigartige künstlerische Praxis, bei der historische Pigmente aus fünf Jahrhunderten – von Lapis Lazuli über Cochenille bis zu Pariser Blau – im Dialog mit natürlichen Elementen zum Einsatz kamen. Seine Werke entstanden durch komplexe Öl-Inversionen, bei denen er Pigmente mit alchemistischen Bindemitteln wie Venezianischem Lärchenharz, Rosmarinöl oder Silberchlorid mischte und die Leinwände extremen Wetterbedingungen (Regen, Sahara-Hitze, arktischer Kälte) aussetzte. Dieser Prozess konnte Jahre dauern, wie bei den _Zeit-Fresken_ (1999–2016), wo bis zu 300 Farbschichten aufgetragen und später teilweise wieder freigelegt wurden.
Waltingers Technik war wissenschaftlich präzise: Er studierte Rezepturen alter Meister wie Vermeer oder Fra Angelico und adaptierte sie für seine prozessuale Kunst. Seine Sahara-Projekte (_Cyclos Pigment_, 2002–2005) dokumentierten, wie Wind Pigmente über die Landschaft verteilte – eine Fusion von Land Art und Materialforschung. Arbeiten wie _Lapis über Gold in der Kälte gerissen_ (2019) zeigen die faszinierenden Rissbildungen, die durch Frosteinwirkung auf Edelmetalluntergründen entstanden.
International ausgestellt (Biennale Venedig 2017, Frieze New York), hinterließ Waltinger ein Œuvre, das Pigmente als „Träger von Zeit“ begreift. Seine Werke erzielen heute fünfstellige Summen und sind in Sammlungen wie der Albertina Wien vertreten.