Stillleben mit Petrus, 2025
High Res Foto eines Originals des Künstlers (ebenfalls in Besitz)
Masse: ca. 200.00 x 75.00 cm
Jimmy Zurek (*23. Mai 1971 in Wien; bürgerlich Philipp Zurek) diplomierte 2001 mit Auszeichnung in Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst Wien. Er gilt als Vertreter des Neoexpressionismus und einer spezifisch wienerischen Spielart der Pop Art. Kennzeichnend ist seine Text-Bild-Symbiose: Textmontagen oder blosse Fragmente stehen am Anfang der Komposition, und Sprache läuft durch die Bilder wie ein Soundtrack durch einen Film.
Stillleben mit Petrus (dem Wein) knüpft an die Werkkomplexe an, in denen Zurek kunsthistorische und kulinarische Bezüge kurzschliesst – etwa die Champagner-Serie, aus der das Gemälde Blonde de Blancs stammt, oder den über achtzig Arbeiten umfassenden Zyklus Zur Goldenen Kunst (2021–2023). Der Titel arbeitet mit einer bewussten Doppeldeutigkeit: Pétrus bezeichnet eines der prestigeträchtigsten Weingüter von Pomerol, zugleich ruft der Name den Apostel Petrus auf. Zurek legt damit sakrale Ikonografie und Luxusgut übereinander, ohne die Spannung aufzulösen.
Das barocke Stillleben, historisch stets auch Vanitas-Bild und Statusdemonstration zugleich, erweist sich als idealer Träger dieser Ambivalenz. Zurek nimmt die Gattung nicht ironisch beiseite, sondern nutzt ihre eingebaute Doppelbödigkeit für eine Befragung von Wert, Repräsentation und Begehren. Themen, die sein Werk seit den frühen kunstmarktkritischen Arbeiten durchziehen.
Dass die Komposition eine Lifttür bespielt, verschiebt die Lesart zusätzlich. Das Stillleben, traditionell Bildgattung des Innehaltens, trifft auf ein Element permanenter Bewegung. Die Betrachtenden begegnen ihm im Vorübergehen, in kurzen und wiederholten Momenten – eine Rezeptionsform, die dem Alltäglichen nähersteht als dem Museum und Zureks Interesse an der Aufhebung solcher Grenzen entspricht.