Bibliothèque nationale de France, 2016
Technik: Fotografie a. Alu-Dibond
Masse: 250 x 124 cm
Christian Voigt, 1961 geboren, hat in Berlin und Vancouver studiert und zunächst in Film und Verlagswesen gearbeitet. Aus ausgedehnten Reisen und fotografischen Dokumentationen entwickelte er eine eigene Bildsprache. Seine Serien erscheinen in streng limitierten Auflagen und in Formaten, die in der Museumsedition bis zu acht Meter Breite erreichen.
Die Serie Museums & Libraries versammelt große Innenräume des europäischen und amerikanischen Wissens. Dazu gehören die Bibliothèque Nationale de France in Paris, die Stiftsbibliothek Admont, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, die Real Biblioteca de El Escorial, die Österreichische Nationalbibliothek in Wien, die George Peabody Library in Baltimore und die Morgan Library in New York.
Voigt fotografiert mit analogen und digitalen Großformatkameras. Das Ergebnis ist ein extrem verdichtetes Bild: Jede Buchreihe, jede Kante einer Galerie, jede Kassette der Decke bleibt lesbar, bis in die entferntesten Winkel. Die Räume erscheinen dadurch schärfer und geordneter, als das Auge sie vor Ort je erfassen könnte. Vertrautes wirkt fremd, fast als sähe man es zum ersten Mal.
Im Zentrum steht der Raum, nicht der Betrieb darin. Die Bibliothek erscheint als Architektur einer Ordnung: Wissen, das über Jahrhunderte gesammelt, sortiert und in Regale gebracht wurde. Voigt zeigt sie ohne Nostalgie. Das Licht ist inszeniert, die Farbigkeit intensiv, die Perspektive genau gesetzt. So entsteht ein Bild zwischen Fotografie und fotorealistischer Malerei, das die Räume nicht dokumentiert, sondern behauptet. Gerade in dieser Überhöhung wird spürbar, wofür solche Säle gebaut wurden.