Faas Stefan - Mirrorhenge Ansicht 1
Faas Stefan - Mirrorhenge Ansicht 2
Faas Stefan - Mirrorhenge Ansicht 1
Faas Stefan - Mirrorhenge Ansicht 2
Stefan Faas

Mirrorhenge, 2022

Erdgeschoss
Erdgeschoss

Alle Objekte: hochpolierter Spiegelstahl (V4A)

Masse: 210 - 220 cm

Werkgruppe bestehend aus: Anthropomir Kephalos XXIII, 2022 (220cm); Anthropomir Kephalos XVII, 2022 (210cm); Kephalos Anthropomir XX, 2022 (220cm)

Provenienz: Espace | Lumière | Réflexion, Fondation Vasarely in Kollaboration mit Galerie am Lindenplatz, Frankreich (2023); Back From France - Espace | Lumière | Réflexion, Galerie am Lindenplatz, Liechtenstein (2023)

 

Der 1963 in Pforzheim geborene Metallbildhauer Stefan Faas erlernte dieses, höchste Präzision einfordernde, Handwerk in der Schmiede seines Vaters. Darauffolgenden begann Faas das Studium der Kunstgeschichte sowie der Designwissenschaft und Ästhetik, wodurch er zusätzlich zur Praxis nun auch einen theoretischen Zugang zu Kunst und Design erhielt. 
Im Zentrum der skulpturalen Arbeiten Stefan Faas steht neben dem primären Fokus hinsichtlich der Verwendung von Stahl, auch die Frage nach der Wirkung der Reflexion der BetrachterInnen in seinen Arbeiten. Der hochpolierte und spiegelnde Stahl erlaubt es, den Raum der Betrachtenden um eine fast fiktiv wirkende Dimension des Selbst zu erweitern, in welcher die Betrachtenden Teil der Skulptur werden. Teilweise stellt die formale Umsetzung der Arbeiten Faas eine Diskrepanz zwischen der anthropomorphen Ästhetik und der durch den hochpolierten Stahl vermittelten Sterilität. Das Spannungsverhältnis ergibt sich durch die an der Antike angelehnten Titel sowie die daran orientierte formale Umsetzung, wobei die technische sowie materialtechnische Umsetzung der Skulpturen Stefan Faas einen in der Kunst als zeitgenössisch definierten Ansatz kommunizieren.

Dies zeigt sich u.a. in den von Stefan Faas im öffentlichen Raum platzierten Arbeiten, wobei hier auch die inhaltliche Auseinandersetzung zeitgenössischer, gesellschaftlicher Konflikte adressiert wird. Zu seinem Œuvre zählen auch Skulpturen, welche durch ihre geraden und weichen Linien auf der kubistischen Oberfläche kleinerer Arbeiten, ein Relief bilden und im Verhältnis zu ihrem Volumen eine bestimmte und präzise Klarheit kommunizieren. Der Stuttgarter Autor und freie Journalist Hansjörg Fröhlich beschreibt das Verhältnis von Stefan Faas zu Metall wie folgt: „Für Faas ist der Stahl eine Metapher für die Stagnation und Unbeweglichkeit unserer Gesellschaft, für die eingleisigen Sichtweisen und die erstarrten Strukturen, die uns ohne offensichtlichen Zwang und doch umfassend beherrschen. 
Die Härte des Materials steht für die bockige Unverrückbarkeit, mit der wir als Gesellschaft globalen wie regionalen Herausforderungen begegnen. Die Steifheit des Stahls steht für die Sturheit, mit der wir unseren einmal eingeschlagenen Weg beschreiten, der freilich nur scheinbar alternativlos ist.“

Mirrorhenge - ein Ort der Götter unserer Zeit und der Reflektion unserer Welt

Welt In seiner Installation MIRROR HENGE bezieht sich der Stahlbildhauer Stefan Faas auf das jungsteinzeitliche Stonehenge. Für Stonehenge existieren mehrere Deutungen: War es ein Kult- oder Versammlungsplatz, eine religiöse Tempelanlage und Begräbnisstätte, wie einzelne Funde andeuten oder ein astronomisches Observatorium, da einige Linien nach der Sommersonnenwende ausgerichtet sind? Stefan Faas nimmt mit seiner Installation MIRROR HENGE die einzelnen Interpretationsstränge auf und übersetzt sie in die heutige Zeit. Er gruppiert eine Anzahl von unterschiedlichen Stelen im Kreis, wählt aber das Material der Moderne den Stahl. In der Kreisform bleibt die Anlehnung an eine Kultstätte sichtbar, in der hoch polierten Oberfläche der Spiegelstahl Objekte kommt aber ein weiteres Moment zum Tragen - die Reflexion.

Die hochpolierte Oberfläche des Spiegelstahls erweitert die Skulptur um eine weitere, entscheidende Dimension. Neben der Form und dem Bezug zum Raum tritt nun die Reflexion hinzu. Die gesamte Umgebung spiegelt sich ebenso wie der Betrachter in der blanken Oberfläche und wird somit zu einem Teil des Kunstwerks. Im übertragenen Sinne ist es eine Reflexion über das eigene Ich und das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft. Diese inhaltliche Tiefe steht im Dialog zur formalen Konsequenz, und macht die Werke von Stefan Faas zu begehrenswerten Kunstwerken von zeitloser Ästhetik. Zur Reflektion der im Kreis platzierten Skulpturen aus der Serie der Kephaloi in einander kommt noch die Spiegelung der umgebenden Landschaft hinzu. Die Allmacht der Natur im Wiederschein mit der von Menschen gemachten Realität unserer Tage werden zum sinnfälligen Spiegel-Bild. So wird MIRROR HENGE von Stefan Faas zum Symbol für unsere komplexe Welt. Der hochpolierte Stahl wird zum Synonym einer modernen Industriegesellschaft, der Technisierung unserer Welt. Analog zu den Hochglanzfassaden moderner Konzernzentralen und Bankgebäude stellt er in der formalen Umsetzung die Frage nach den Göttern unserer Zeit. Durch die deutlich erkennbaren anthropomorphen Formen seiner Skulpturen erweitert er den Kontext jedoch um die Frage nach dem Stellenwert des Menschen in der modernen Welt und stellt zugleich die Forderung auf - den Menschen an sich, das Individuum niemals aus dem Blick zu verlieren.