Raumobjekt 050320, 2020
Acrylglas dichroitisch beschichtet
Masse: 50 x 50 x 5.5 cm
Der 1946 in Zürich geborene Künstler Heinrich Bobst hegte bereits früh ein persönliches Interesse an Kunst und Design, was im Laufe seiner späteren Tätigkeit immer mehr Platz einnahm.
Sein ursprünglicher beruflicher Werdegang begann als Laborant in einem Versuchslabor, auf das dann 1968 ein Diplomabschluss als Chemiker am Technikum Winterthur folgte. Bereits zu dieser Zeit entstanden einzelne, erste Arbeiten bzw. Experimente.
Das Interesse Heinrich Bobsts im Bereich der Kunst war bereits eingangs sehr breit gefächert.
So entstand schon 1963 das erste geschweisste Raumobjekt. Zwei Jahre später bewegte sich Bobst im Bereich von Design und entwarf die ersten Möbel. Aber auch die Photographie war Teil seines künstlerischen Interesses und startete 1967 die ersten Photoexperimente.
In den darauffolgenden Jahren und Dekaden blieb die Photographie ein konsequentes Medium im Arbeiten des Künstlers, wobei es nie zum primären Medium erhoben wurde. Einen wesentlichen Fokus legte Heinrich Bobst in seine konzipierten Raumobjekte, was sich auch im Bereich des Möbeldesign niederschlug. Die vorranging aus Eisendraht oder Eisenprofilen geschweissten Raumobjekte verfolgen die konzeptionelle Idee des Künstlers von der Wirkung und des Verhältnisses der Architektur zum Raum und bedienen sich hier nicht nur der konzeptionellen Folge von form follows function, sondern siedeln sich auch im freien Bereich der Ästhetik an.
Wie Bobst selbst auf seiner Homepage erklärt, haben Wissenschafter und Künstler bedeutende Gemeinsamkeiten. So zum Beispiel die Neugier und das Interesse an Neuem und Neues zu erkennen. Diese intrinsische Motivation bewegte Bobst dazu, sich im Bereich der Kunst und deren Medien immer weiterzuentwickeln. 1984 entwickelte Bobst erste Leuchtkörper und forschte sehr intensiv im Bereich Architektur und Bautechnik.
Nachdem der Künstler in den 90er Jahren aufgrund eines grossen, beruflichen Verantwortungbereichs seine Aktivitäten als Künstler vorübergehend ruhend stellte, legte er 2004 sämtlicher beruflichen Aktivitäten als Chemiker und trat von allen Verwaltungsratsmandaten zurück.
In den darauffolgenden Jahren und bis heute fokussiert sich Bobst zunehmend auf die Weiterentwicklung seiner Raumobjekte unter der Verwendung verschiedener Materialien. Der Künstler erklärt: »Mit den resultierenden Raumobjekten wurde mein Hang hin zu konstruktiv konkretem Arbeiten zunehmend deutlich. Auch zeichnet sich eine gewisse Tendenz in minimalistische Richtung ab.»
Mit der Verwendung von dichroitisch beschichtetem Acrylglas gelang es dem Künstler auch, das fehlende Farbspektrum in die Materialität zu inkludieren, denn « [d]ichroitische Beschichtungen bestehen aus hauchdünnen Belägen, die das einfallende Licht teilweise auf ihrer Oberfläche, zum Teil aber auch an der Grenzfläche zum Glas bzw. Acrylglas reflektieren. Dadurch entstehen Interferenzeffekte, welche die Objekte - je nach Blickwinkel - in verschiedenen Spektralfarben erscheinen lassen. »
Die dichroitisch beschichteten Raumobjekte oder auch Wandobjekte bedürfen keiner kunstgeschichtlichen Vorkenntnis und stehen somit u.a. in der Tradition der Arbeiten von Ludwig Wilding und der Strömung «Neue Tendenzen», wonach es um die Vermittlung individueller und nicht alltäglicher visueller Erfahrungen geht. Der oder die BetrachterIn wird zu einer immanenten und partizipativen Komponente der visuellen Erfahrung, welche in diesem Fall in einer essentiellen Wechselwirkung mit der Kinetik aufseiten des oder der Betrachtenden und in Referenz mit der Stärke und des Einfallwinkels des Lichtes steht.